Verkehrt

Der Hickskraxler war ein bleistiftdünnes Männlein mit Saugnapfzehen an den Füßen und wurzeligen Fingern an den Händen. Er hatte sich mit seinem prall gefüllten Lebensrucksack schwer beladen und tippelte durch eine überzuckerte Landschaft. Immer an der Mauer entlang. Bis eines Tages der Eisfluss die Gebirgswand verkehrt herum emporfloss und zugeschneite Baumgerippe auf den Wolken wuchsen. Der Hickskraxler ging deshalb und aus anderen Grundesgründen die Wand hoch. Aber nicht wie eine gezündete Rakete. Sondern seine Saugnapfzehen tasteten sich – wie die Zeitlupe einer Zeitlupe einer Zeitlupe – Millimeter für
Millimeter im eiligen Schneckentempo das eisige Spiegelwandbild empor und ergründeten dabei jeden Quadratzentimeter des eigenen Ichs. Nach Untiefen und sonstigen Unwegsamkeiten. Dabei suchten seine wurzeligen Finger nach Halt, rutschten aber immer wieder an der senkrechten Eisfläche ab, da kein Erdreich vorhanden. Das machte dem Hickskraxler große Angst, und er erstarrte schlussendlich auf allen Vieren inmitten der Wand. Er hing sozusagen zwischen Himmel und Hölle fest, so als ob der Künstler sein Gemälde ausversehen verkehrtherum aufgehängt hätte …

© Rose Kane, Le, 03/2018