Too much

Takkokackrahma, dachte Dodo, als er mit seiner Seelenmusik auf den Ohren am Kanal de Grandelarus entlang schlenderte und die ganzen Bötchenfahrer und Trötntrötchenausflügler in ihrem bunten Treiben beobachtete.
Von jeder Ecke her schallte eine andere Musik durch die Luft. Mal waren es Ballermannklänge, mal harter Rock und dann wiederum irgendeine Technoblasterei. Und überall roch es nach Grillduft und war Kinderlachen zu hören. Von der kurzgeschorenen Parkwiese war kaum mehr ein grüner Flecken zu sehen, so sehr stapelten sich die Feiertagler und Sonnenanbeter.
Dodo dachte nur, dass sich das alles ziemlich spürig für ihn anfühlte, als ihn zwei schlaksige, bauchfreie Teenager überholten. Die eine meinte zur anderen, dass das ja gerade eben schreckliche Musik gewesen sei. Und Dodo überlegte, jawohl-ja, nickte mit seinem zerzausten Kopf und drehte seine Kopfhörermusik etwas lauter.

Er blickte zum Himmel und sah eilige Wolkentürme heraufziehen. Die Sonne verfinsterte sich rasch und verschwand schließlich ganz hinter dieser bedrohlichen Düsternis. Ferner Donner grollte heran, immer näher und näher, bis er sich direkt über Dodos Kopf entlud.
Blitze zuckten und verästelten sich quer über das ganze Firmament, als Dodo schließlich vor einer mannshohen Backsteinmauer zum Stehen kam. In diesem Augenblick öffnete der Himmel seine Schleusen, und es begann zu schütten. Aber nicht sanft oder peu a peu stärker werdend, nein, sondern es war ein plötzliches Trommelfeuerwerk aus Regenplatschern, die sich unbarmherzig über alles ergossen, was ihnen im Wege stand.
Dodos Kleidung war im Nu durchweicht. Wilde

Regenrinnsale suchten sich ihren Weg Dodos lebensberucksackten Rücken hinunter, bis in seine Pofalte hinein und die Innenschenkel entlang bis in seine knöchelhohen Bootsschäfte. Dort sammelte sich das Wasser, und Dodos Füße schwammen und quatschten in den Lederschuhen, so als ob sie hinaus aufs Meer schwimmen wöllten.

Doch das störte Dodo nicht im Geringsten.
Er stand mit dem Gesicht zu Backsteinmauer geneigt. Seine Stirn und seine Handinnenflächen ruhten auf dem kühlen Stein. Ihm war übel, denn er fühlte mal wieder viel zu viel für sein kleines Herz.
Zuerst spie er seine Wut in Form eines trampelnden Plüschdinosauriers aus und ließ das Ding auf den Gehweg fallen. Dann nieste er einen rosafarbenen Flauschball seiner (Selbst)Liebe aus der Nase und ließ auch diesen zu seinen Füßen purzeln. Abermals musste er würgen, und es brach die Traurigkeit in Gestalt einer zotteligen Flickenpuppe mit einem aufgemalten Trauerweidengesicht hervor. Auch sie blieb am Boden liegen.
So ging es munter weiter. Er nieste und erbrach abwechselnd die Sehnsucht, die Freude, die Aggression, die erotische Lust hervor – eben all seine zwischenmenschlichen Gefühle – und sie blieben ihm zu Füßen liegen und wurden in den immer größer werdenden Pfützen auf dem Gehsteig nass.
Bis er sich zu ihnen hinabbeugte, sie nacheinander aufhob, um sie entzweizureißen und gegen die Backsteinmauer zu schleudern.
Danach wars ihm etwas ruhiger im Gemüt, und er konnte den Regen genießen. Er wusste nichts, würde aber seiner Wege ziehen und fürs Erste lieber alleine bleiben …

© Rose Kane, Le., 05/2018