Stillstand

Samtgekollertes, grellbuntes Konfetti explodierte aus dem Nichts heraus in den Raum hinein. Die Uhr zeigte 5:45. Der Schlaf saß noch tief in meinen Augenwinkeln. Und dennoch gab es kein Halten mehr …

Mein Innerstes kehrte sich zum Äußersten. Tiererbrochenes des nahen Waldes wurde zum Wahrheitstrunk der 7 Nachtmahre und der Fliegenkot in der Toilettenschüssel nebenan zum Liebesperlenkuchen der Wetterhexe.
Mir war schlecht.
Die Stimmen in meinem Hirn waren laut und misstönend, wie die fehlgeleiteten Musiker meines Kopforchesters. Eckstein konnte sie nicht dirigieren, er war überfordert. Und Dodo hielt sich vor lauter Angst die Augen zu. Er summte dabei das Lied „Häschen in der Grube“ falsch vor sich hin.
Nichts war mehr so, wie es eigentlich hätte sein sollen:

Der Graufuchs hatte mein Lernspiel vorsorglich ausgesetzt, denn es bestand keine Chance mehr, die mit der Zeit angehäuften Nieten vor dem ersten Tag der Endrunde loszuwerden. Mindestens 6 Mondzyklen musste ich jetzt pausieren. Und es stand noch nicht fest, ob es weitergehen könnte. Denn es war nicht klar, ob mein bisheriger Talergeber der alte und neue Spender werden würde. Und es stand in den Sternen, ob die Happypills auch dieses Mal helfen könnten …
All das hatte Herr Niemand sehr wohl vorausgesehen. Ihm hatte meine Realität nicht gefallen, und deshalb überlegte er jetzt erst recht, wie es für mich eventuell anders weitergehen könnte und fütterte damit mein Fluchttierchen an.
Doch das wiederum missfiel Herrn Jemand, und dieser malte sich im Gegenzug zu Herrn Niemand aus, wie es wäre, wenn ich das Spiel mit Erlaubnis fortsetzen würde … Und er schmiedete Pläne, wie das alles zu schaffen ist.
So stand ich still unter der Dusche und hatte Wasser in den Ohren … Ich lauschte all jenen Eindrücken und wusste nicht recht, auf wen ich hören sollte.

© Rose Kane, C., Mai 2016