Schalottus maximus

Eigentlich sollte es ein riesiger, humusreicher Himmelsgarten voller praller, violett-rosafarbener Himmelsschalotten sein. Doch es war nur das überschaubare Firmament über einer einzigen Schalottus maximus.
Sie war im äußeren Planetoidengürtel unseres Sonnensystems beheimatet und suchte dort ihresgleichen. Alle anderen Mitgeschwister waren taube Asteroidenblindgänger und taugten zu nichts.

Eckstein hatte diese knapp fünfunddreißig Kilometer große Himmelsschalotte bei einem seiner Gedankenreisen für sich entdeckt und zum Zwecke seines Kopfdenksportes annektiert.
Hier konnte er jeden seiner Reflektionsschritte wie die einzelnen Zwiebelschichten seiner Schalottus maximus mit den dazugehörigen Zwiebelhäutchen in seine Einzelbestandteile auseinandernehmen und aufs mikroskopisch kleinste Detail sezieren. Schließlich war er unter

diesem Himmelsfirmament der größte Nachdenksportler seiner Zeit, auch wenn seine eroberte Welt nur eine recht kleine zu sein schien.

Immerhin war sie so groß, dass Dodo, er selbst und der Rest der Ich-Gang darin Platz fanden. Und nicht nur das. Die Himmelsscheunentore zu Ecksteins Schalottus maximus standen zwar nicht für jedermann sperrangelweit offen. Aber sie waren in ihrem Rahmen nur angelehnt, und jeder, der gastlichen Einlass begehrte, konnte diesen auch bekommen. Er brauchte nur anzuklopfen, die Tore in ihren Angeln aufzustemmen und einzutreten.
Ob sich der Besucher hier allerdings auch wohlfühlen mochte, lag nicht in Ecksteins Macht. Dafür sorgte schon die Fee. Sie kochte nämlich schmackhafte Zwiebelsuppe aus den Filetstücken von Ecksteins alles zerlegender Nachdenkarbeit. Diese reichte dann für alle und war äußerst sättigend.

© Rose Kane, Le, April 2017