Jaaber

Tünterich, was dünkt es dich, die Sonnenstrahlen brennen dir doch nicht die Seele aus dem Leib. Nein, sie bohren sich Hautpore für Hautpore in deinen Körper und heizen den Tango deiner Hormone an, dachte Dodo vor sich hin, als er – im mutig geflügelten-Nashorn-T-Shirt gekleidet und mit gebatikter Zimmermannshosen-an-Mann – barfuß der Meute aus Familienpilzerichen folgte.
Es gab keinen Leitpilz. Alle – oder besser gesagt eigentlich niemand – hatten das Sagen. Das merkte man der Gruppe an.
Jeder für sich ließ sein Myzel wandern, von dem Einen zum Andern, wie das Ringlein, was irgendwann nach einer stillen Post an der richtigen Stelle wieder auftauchte. Um, tja … was eigentlich? Einer Nichtleitung die Worte in den Mund zu legen? Oder die Geschwindigkeit der geistigen und sonstigen Fortbewegung zu manipulieren?
Dodo überlegte sich, dass es wohl die Entdeckung der Langsamkeit sei, um die es hier gehen könnte. Ihm fielen dabei ganz gezielt die Conchiferas ein – mit ihrem
gewendelten Schneckenhäusern und ihrer zerschleimten Kriechspur, die er für eine ganz besonders persönliche Note der Fortbewegung hielt.
Jedoch, dieses Mal regnete es gar nicht, und die Schneckchen hatten sich ins kühle Feucht der waldischen Versteckeriche verzogen. Ihm blieb also nichts weiter übrig, als innerlich hin- und herzuschwanken zwischen der drivigen Überholspur seiner Bordolina und der Tippeltappeltur der überlegten Zögerlichkeit seines Ecksteins, und er sinnierte darüber, ob ihm etwas Ernsthaftes fehlen würde, wenn er eher auf Ecksteins Ratschlag hören würde …
So schloss er seine Augen und lief sehend – seinem Herzen folgend – über Stock und Stein, um schlussendlich in seinem Ich anzulanden.
Das ist doch schön, dachte Dodo und fabrizierte einen kleinen Luftsprung der Freude.

© Rose Kane, BS, 05/2018