Horrosa

Es tat einen Donnerschlag am azurblauen Himmel und violetter Sternenstaub rieselte auf Dodos kurz geschorenes Haar. Er musste niesen und sich die Augen reiben.
Sein T-Shirt entwickelte ein seltenes Eigenleben. Es zog sich aus dem Bund seiner pink-schwarz gebatikten Armeehose, durchwrang sich vom Saum an, obwohl es gar nicht nass war, bis hin zu Dodos Brust und zog ihn mit sich fort. Er ließ es mit sich geschehen und wunderte sich nicht.
Sein Shirt entwrang sich alsbald wieder.

Das Frontbild darauf begann sich mit einem gewebeknirschenden Geräusch Faser für Faser abzulösen und bekam ganz allmählich eine lebendige Dreidimensionalität.
Als schließlich ein rosafarbener Zenobithase aus Plüsch vor Dodo stand und mit den Ohren wackelte, hob dieser die Hände vor die Augen und fragte, „Wer bist du denn?“ Ihm war es mulmig zumute.
Die Ober- und Unterlippe des Horrorhasen war mit jeweils zwei Angelhaken auseinandergezogen und legten so Zähne und Zahnfleisch wie bei einer Kieferoperation frei.
„Ich …in Horrosa.“, sprach der Plüschhase des Bes beraubt. „Und …er …ist du?“, fragte er. Das We konnte er auch nicht aussprechen.
„Dodo.“, entgegnete Dodo.

Der Hase hatte keine Augen. Da, wo sie hätten sitzen sollen, war nur vernarbtes Gewebe zu sehen und

Knopfgarn lugte büschelweise hervor, so als ob jemand seine Knopfaugen mit Gewalt abgerissen hätte.

„Was machst du hier?“, fragte Dodo weiter. Er hielt sich noch immer seine Augen zu, lugte aber zwischen den Fingern hindurch.
„Ich …in deiner …antasie entsch…rungen.“, entgegnete Horrorsa.
„Du bist was?“ Dodo überlegte. Die schleimhautfeucht aufgespannten Lippen waren echt hinderlich. Doch dann fiel ihm der Groschen und er murmelte, „Ich sollte mir keine Horrorfilme ansehen. Das kommt dabei heraus.“
Horrosa lachte. Er wackelte abermals mit seinen langen Ohren und machte eine Schleife in diese.
„Ja, ja, ich weiß“, flüsterte Dodo. „Du bist natürlich mein Geschenk an mich selbst.“, führ er leise fort. Horrosa nickte.
„Aber was stelle ich mit dir jetzt an?“, überlegte Dodo und fuhr sich mit den Händen über sein stoppeliges Haar.
„Lass uns dein Häschen in der Gru…e-Sch…iel sch…ielen und danach …eine Augen suchen.“, schlug Horrosa vor. „…ielleicht …inden …ir sie ja?“, fuhr er hoffnungsvoll fort.

Dodo schluckte. Ihm tat dieses Wesen leid, und er schimpfte mit seiner eigenen Fantasie. Schließlich gab er sich einen Ruck, nahm Horrosa bei der Hasenpfote und ging mit ihm auf und davon …

© Rose Kane, Le, 02/2018

Fortsetzung zum Text: Dor-nee-n-ja

hasengrube XX - hellraiser

hasengrube XX – hellraiser

rubrik: hasengrube(n)serie
hintergrundbeschallung: eisbrecher – angst
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infos: le, 2016