Gordischer Spinnenknoten

Es hatte alles mit einem Ihrer Spässkniens angefangen. Eine von Hexchens kleinen Wetten darüber, ob Dodo Ihr Bondage seiner Daumen und Finger würde mit verbundenen Augen selbstständig wieder lösen können.
Und er hatte noch – mit ihr kokettierend – darum gebeten, sie solle nicht aufhören und weitermachen. Und wo war das geendet?
In noch einer Schlaufe und noch einer Windung und noch einem Knoten und abermals einem Knoten, bis Dodo wie ein wirres Knäuel aus verwinkelten Armen und Beinen zu einer Kugel mit mehreren Seilen verpackt und verschnürt gewesen war und sich kein bisschen mehr regen konnte.
Gerade als er sich lauthals darüber beschweren wollte, wie weit Sie gegangen war, als ihm der Gedanke glasklar bewusst wurde, dass Sie ihm jegliche Kontrolle über sich selbst und die Situation genommen hatte, stopfte Sie ihm eine Ihrer getragenen Socken in den geifernden, offenstehenden Mund.
Wie demütigend, zerschoss der glühende Gedankennagel Dodos Kopf. Wut nagte erst zaghaft in seinem Gedärm, dann sprudelte sie kochend über. Tränen benetzten das Tuch über seinen Augen und suchten sich schließlich ihren Weg bis hin zu seinen Wangen.
Er spürte Hexchens warmen, spröden Mund auf seinem feuchten Gesicht. Sanft küsste Sie ihm die Tränen hinfort und fuhr mit ihren langen Fingernägeln gefühlvoll über seine Nacktheit. Liebevoll! Sie lachte Ihr Lachen. „Mit gegangen, mit gefangen.“, gurrte ihre Stimme.
Schweigen.
Dodo fühlte jedes einzelne Seil auf seinem Körper, wie sie ihn einschnürten, festhielten, rein äußerlich zur Ruhe zwangen und ihn schließlich auch innerlich auf sich selbst zurückwarfen.
Sein Hexchen hatte ihm den Kontrolli sprichwörtlich unterm Hintern weggezogen, hatte diesen ganz klein zusammengefaltet und in Ihre große Rocktasche verfrachtet.
So lag er nun da, spürte jede einzelne Faser, jeden Knochen und jedes Gelenk seines Körpers und wartete auf die Dinge, die Sie nun geschehen lassen würde …
Als Sie ihm endlich peu a peu seine Bewegungsfreiheit wiederschenkte, seinen Mund von Ihrer Socke befreite, ihn leidenschaftlich küsste, um ihm so ein Schlückchen Ihres Lotusnektars einzuflößen, versenkte er dankbar sein Gesicht in Ihre Handinnenflächen und fühlte sich wie Daheim angekommen. Jedoch schwor er sich hoch und heilig, dass er mit Ihr nie wieder würde Wetten mögen.

© Rose Kane, Le., 04/18