Freiheit

Schäfchenwolken zogen über den ansonsten azurblauen Himmel. Dodo saß auf einem sehr großen Felsbrocken am Strand. Er nannte ihn „seinen Findling“. Er hatte ihn nämlich im Widerstreit mit seinen eigenen Gefühlen tatsächlich gefunden. Er saß also auf diesem Stein und dachte über sich, sein Leben, nach und beobachtete die Möwen, wie sie im Wind knapp über den schaumigen Wellenkämmen dahinglitten. Er lauschte ihren Schreien. Komisch, dachte er, es klingt fast so, als würden sie wehklagen, als würden sie mein Innenleben beklagen. Gut, überlegte er, gut, dass ich alleine bin … Am Meer, so dachte er, habe ich mich noch immer zu Hause gefühlt. Er beobachtete ein Containerschiff am Horizont. Wo es wohl hinfahren wird, überlegte er.
Bestimmt wie mein Zug ins N-I-rgendwo, da wo ich schon immer hinwollte, sickerten der Gedanke traurig durch seinen Kopf. Im N-I-rgendwo endlich ankommen, dachte er, das wäre schön. Und sein Herz verschluckte sich und tat ihm weh. Doch ich habe noch einen weiten Weg vor mir, den ich für mich alleine gehen muss, so wurde es ihm klar. Dann zog er sich Schuhe und Strümpfe aus, stand auf, klopfte sich mit den Handinnenflächen an die weite Hose und ging zum Wasser. Seine Füße wurden vom Meer um- und überspült. Immer und immer wieder. Das fühlte sich gut an. Er streckte die Arme links und rechts weit von seinem Körper aus, so als wöllte er losfliegen und brüllte den Urschrei aus seinen Lungen heraus …

© Rose Kane, Le., 05/2018