Drückeliererich

Kennt ihr den, na, wie sagt man doch gleich, wenn man den Zeigefinger schon am Abzug hat und mit sich selbst noch Eene-meene-Muh-und-raus-bist-du spielt, bevor man zur Tat schreitet, um sich vor irgendetwas Entscheidendem zu drücken?
Ja, genau. Ich meine den Drückeliererich. Der, der einem schon vor dem Weckerklingeln, nein, am besten am Abend zuvor, wenn man sich unter die Bettdecke geflüchtet hat, um sein Heil im Schlaf zu suchen, sagt, „Du stehst nicht auf und bleibst einfach liegen.“
Eben. Diesen Drückeliererich benenne ich. Er flüstert einem dann immer ein, „Jetzt stell dir mal vor, wie das wäre, deinen Tag einfach an dir vorbeiziehen zu lassen … Augen geschlossen zu halten und nichts zu tun.“
Okay, er muss ja nicht gleich den realen Abzug betätigen, aber er kann mich mit teeriger Lakritze abfüttern, bis meine Gehirnwindungen vor lauter Umnachtungen ganz träge werden und sich nur noch müde in gewissen verblichenen Dramatikfarben wälzen, um mich zu warnen und zu beschützen …
Dann hat der Drückeliererich gewonnen und hält mich in seinen Fängen.
Dann hat er zumindest den metaphorischen Abzug betätigt.
Dann bleibe ich länger als nötig im Bett, versuche der Zeit ihre Sekunden und Minuten zu stibitzen und verwickele mich ganz fest in meine Decke, schrieb Kunnigunde in ihr Tagebuch, bevor sie sich warm anzog, um schlussendlich doch in ihren Tag zu starten …

© Rose Kane, Le., 03/2018

mani

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rubrik: gefuehlsbilder
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infos: le, 03/2018