Der Steingarten

„Nur die Harten kommen in den Garten.“, brummelte der beleibte Schorchel in die staubig stickige Luft hinein und meißelte verbissen an seinem unfertigen Ebenbild herum.

Er behaute den Stein ohne Unterlass, auch unter Zuhilfenahme einer Lupenlampe, bis erneut nur noch ein Kieselstein und später dann ein weiteres Sandkörnchen übriggeblieben waren. Das war nun schon der zigste Annäherungsversuch. Alle missglückt. Und Tods Sanduhr war schon gut mit seinen Fehlschlägen angefüllt. Eine allerletzte Chance sollte er sich aber dennoch geben, bevor er seinen wabbeligen Schwimmringen die vielleicht letzte Ruhe gönnen musste.

Er schwitzte wie ein Tier und roch nach vergorener Milch, als er den neuen Steinblock auf die Werkbank stellte. Lange betrachtete er das gute Stück.

Dabei dachte er an die Statuen draußen in Tods

Schlossgarten. Als er diesen nach seiner Wette mit dem Tod siegesgewiss durchschritten hatte, waren sie ihm ins Auge gefallen. Nur deren gedankenverlustierenden Gesichtszüge und sanften Körperhaltungen wollte er nicht wahrhaben.

Denn diese passten nicht in sein Konzept. Er wollte Zielgelenktheit darstellen, mochte unknickbare Stärke zeigen und sollte dabei ganz sich selbst herausarbeiten. Das war der Gegenstand seines Wagnisses mit dem Tod.

Falls er scheiterte, würde seiner Krankheit Siegeszug über ihn gewiss sein.

Deshalb fühlte sich Schorchel auch wie ein gespannter Flitzbogen. Er hörte mit Elefantenohren in sich hinein und blickte mit Telleraugen auf sein Seelenleben, als er sich diesem letzten Steinblock annäherte. Mit Gummiknien nahm er das Meißelwerkzeug in die Hände und begann sein Werk …

© Rose Kane, Le, August 2017