Das Goillonzius

„Schripp, schrapp, schrull …, ist der Emma nit bald full?“, summte das kleiner Hexchen in Dauerschleife vor sich hin, als sie das Goillonzius geduldig abmelken tat. Dabei hatte sie ihr rotblondes Haar nach hinten gebunden, und nur einzelne, störrische Haarsträhnen hingen ihr über die Wangen. Sie lächelte glückselig vor sich hin, würde sie doch alsbald ihren Dodo wiedersehen. Dieser verweilte nämlich gerade im Schlunzium und tauchte bestimmt bald wieder auf.

Das Goillonzius war ein Pentratterwesen zwischen einer Schnarchtanne, einer Giraffe, einem Seestern, einer Kuh und einem Karnickel. Die Schnarchtanne war mit Millionen von Tentakelsynapsen besetzt und stellte zeitgleich den meterlangen Giraffenhals dar, mit dem sich das Goillonzium selbst in einer Endlosachterschlaufe schubbern konnte. Dabei entstand dann ein honigartiges Sekret, was sich im Euter des Pentratterwesens

ansammelte.
Genau auf dieses war das kleine Hexchen scharf.
Der Kopf des Goillonzius entsprach dem einer Giraffe. Nur die Lauschlöffel ähnelten Karnickelohren, und die Nase sah wie ein Seestern aus. Das Goillonzius stakste auf hölzernen Scharnierbeinen durch die Gegend und war von der Schulter bis zum Boden ungefähr einen Meter hoch. Sein Schwanz hatte ein quastenförmiges Ende und reichte bis zum Boden. Damit wedelte es die Kleinode von Hexchens Herzigkeiten zusammen und hegte und pflegte diese für Dodo.

Als das kleine Hexchen mit abmelken endlich fertig war, packte sie den Melkschemel und Melkeimer samt Inhalt beiseite und machte sich auf den Weg, um den unwerten Herren und Damen Oberen ihre Meinung zu geigen …

© Rose Kane, Le, 04/2018